Milchersatzpulver für schwangere Frauen? Wie bitte?!


Als Doula war ich immer der Meinung, dass ich über ausreichendes Wissen der verschiedenen Optionen verfüge, die sich schwangeren Müttern und deren Familien bieten, während sie sich auf die Geburt des Familienzuwachses vorbereiten. An diesem Nachmittag wurde ich jedoch von Etwas überrascht, dass mir bis dahin gänzlich neu war: ein Milchersatzpulver als Ergänzungsmittel für schwangere und stillende Mütter, welches, wie ich finde, doch ziemlich clever in die folgende Werbeanzeige eingebettet ist:

Wie sich herausstellt, haben Firmen wie Nestlé (Mom & Me), Mead Johnson (Enfamama) und Fronterra (Anmum) ein entsprechendes Milchpulver als Nahrungsergänzung für schwangere und stillende Frauen entwickelt. Tatsächlich ist das Milchpulver bereits in weiten Teilen Asiens zum Kauf erhältlich. Trotz dem europäisch-aussehenden Model auf der Verpackung, habe ich dieses Produkt bisher weder in den Supermarktregalen in Deutschland, noch in den USA gesehen. Nachdem ich jedoch einige Nachforschungen angestellt habe, scheint es, als ob „Similac Mom“, ein flüssiges Nahrungsergänzungsmittel, mittlerweile zum Kauf in kanadischen Supermärkten erhältlich ist.

Bei dem Versuch mehr über die Inhaltsstoffe, die für dieses Ergänzungsmittel verwendet werden, herauszufinden, und wie oft dieses eingenommen werden sollte, war ich beinahe völlig erfolglos. Trotz der Tatsache, dass diese Produkte online zum Beispiel über Amazon oder bei dem Supermarktriesen Walmart gekauft werden können, ist meines Wissens nach eine Übersicht der Inhaltsstoffe aktuell online nicht aufzufinden. „London Drug“, ein kanadisches Ladengeschäft, führt als empfohlene Einnahmemenge 1 Fläschen täglich (235 ml) auf. Es sollte als zusätzlicher Snack angesehen werden, nicht als Ersatz für eine Mahlzeit.

Amazon veröffentlichte sogar einen Haftungsausschluss für das Milchpulver als Nahrungsergänzungsmittel:

"Haftungsausschluss: Obwohl wir bemüht sind, korrekte Inhaltsangaben über das angebotene Produkt zur Verfügung zu stellen, kommt es vor, dass Hersteller die Liste der Inhaltsstoffe anpassen. Die tatsächlichen Produktverpackungen und Materialien könnten mehr und / oder verschiedene Informationen beinhalten, als auf unserer Webseite angegeben sind. Wir empfehlen, dass Sie sich nicht ausschließlich auf die präsentierten Informationen verlassen, sondern dass Sie stets die Angaben auf der Verpackung, die darauf angegebenen Warnungen und Zubereitungshinweise aufmerksam lesen, bevor Sie ein Produkt benutzen oder konsumieren. Für zusätzliche Informationen über das Produkt, kontaktieren Sie bitte den Hersteller. Der Inhalt dieser Seite dient als allgemeine Empfehlung und ist nicht gedacht, den Rat Ihres Arztes, Apothekers oder anderer befugter Lizenzinhaber im Gesundheitswesen zu ersetzen. Sie sollten die gegebenen Informationen nicht zur Selbst-Diagnose nutzen oder ein Gesundheitsproblem oder eine Krankheit behandeln. Setzen Sie sich umgehend mit Ihrem Arzt in Verbindung, sollten Sie ein medizinisches Problem vermuten. Informationen und Aussagen hinsichtlich diätischer Nahrungsergänzungsmittel sind von der Lebensmittel und Arzneimittel Behörde nicht bewertet worden und sind nicht dafür vorgesehen, irgendeine Krankheit oder ein Gesundheitsproblem zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern. Amazon.com übernimmt keinerlei Haftung für Ungenauigkeiten oder falsche Angaben über dieses Produkt.“

Dr. Yoni Freedhoff, kanadischer Arzt, Assistenzprofessor an der Universität Ottawa und Autor von „The Diet Fix“, hat die Einführung von Similac Mom bereits damals im Jahr 2012 in seinem Blog „Weighty matters“ humorvoll adressiert: Nach Dr. Freedhoff bestehen die Inhaltsstoffe aus: „Wasser, Zucker, Emulgatoren, Zucker, Öl, Proteine, Öl, zusätzlichen Vitaminen und Mineralstoffen“ und er witzelt, dass „nur ein einziges vorgemixtes 235-ml Fläschchen eine ganz ordentliche Kalorienbombe sei und dass diese vergleichbar sei, mit mehr als einem halben Liter mit Zucker angereicherter und mit Vitaminen und Proteinen verbesserten, Coca-Cola.“

Mit jeder lebensverändernden Erfahrung, sei es zur Hochschule gehen, in die erste eigene Wohnung ziehen, schwanger werden und ein Baby zur Welt bringen, müssen wir neue Entscheidungen treffen. Mit einem Mal brauchen wir eine ganze Bandbreite unterschiedlicher aber irgendwie doch lebensnotwendiger Produkte. Die Erfindung von Milchpulver als Nahrungsergänzungsmittel für Mütter scheint jedoch nur eine weitere Idee der Firmen zu sein, nicht nur einen neuen Markt zu etablieren (und nebenbei auch noch die empfohlenen Richtlinien für eine ausgewogene Ernährung zu verdrängen), sondern gleichzeitig auch noch das Vertrauen und die Treue in die Marke zu erschaffen und zu vertiefen, noch bevor das Baby überhaupt geboren ist. Wenn eine Mutter glaubt, dass ein Ergänzungspräparat ihre Gesundheit und die ihres Babys im Bauch verbessert, zu welcher Marke wird sie sich wenden, sollte sie entscheiden, ihr Baby ein Muttermilchersatzprodukt zu geben? Und ich möchte gar nicht erst damit beginnen, über das Problem zu sprechen, dass bedingungslos die Vorstellung erweckt wird, dass die Einnahme eines diätischen Ergänzungsmittels in der Form von Pulvermilch das Potenzial habe, Muttermilch zu verbessern. Wir alle haben schon einmal den Werbeslogan „cradle to grave“ (von der Wiege bis zur Bahre) gehört. Hut ab, Nestlé & Co., ihr habt es sogar geschafft, einen Weg in unsere Bäuche zu finden, und das alles unter dem Deckmantel mütterlich-fetaler Gesundheit und Entwicklung.

Sieh Dir den Blog „Chronicles of a nursing mom“ an, in dem Jenny die Ehrfahrungen anderer Frauen mit diesen Produkten teilt und ebenso die jeweiligen Empfehlungen der Frauenärzte.

Was denkst Du hierüber? Haben Ergänzungsmittel in Form von Pulvermilch eine Chance auf den nordamerikanischen und europäischen Märkten? Oder wird die Vorliebe für pränatale Vitamine und / oder eine ausgewogene Ernährung am Ende den Vorrang behalten? Teile Deine Gedanken und Erfahrungen hier:

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